Mein Wein 2026: Kategorie Edelsüß
Hier ist Raum für Weine bzw. Weingüter, die ich - nach Kategorien geordnet - derzeit besonders bemerkenswert finde und die ein (sehr) gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen.
An dieser Stelle findet sich (fast) nur Deutschland (und heute auch Österreich!) – ein bisschen aus Verbundenheit zur Heimat, ein bisschen aus der tiefen Überzeugung, dass Deutschland inzwischen ein Champions-League-Weinland ist – nicht nur beim Riesling.
Außerdem vor allem „Einstiegsweine“. Nicht immer die billigsten des jeweiligen Gutes und außerdem keine Discount-Güter, aber mit Sicherheit Preis-Leistungs-Hammer im erschwinglichen Bereich.
Der besondere edelsüße Wein
Angerhof-Tschida, Illmitz – Auslese Muskat-Ottonel 2024
Wenn die Bayern (aktuell bei den Frauen) mehrere Fussballmeisterschaften in Folge holen, ist das allmählich gar nichts sooo Besonderes mehr. Wenn nun ein Weingut zum elften Mal bei sehr renommierten Meisterschaften abräumt, könnte man meinen, es stellt sich ein ähnliches Gefühl ein. Tut es in diesem Fall aber nicht. Auch der jüngste Titel „Sweet Winemaker of the Year“ für das Weingut Angerhof-Tschida – Hans mit Ehefrau und Tochter – bei der International Wine Challenge in London fühlt sich für die Familie und die Kundinnen und Kunden noch ziemlich gut an. Für die Familie, da jedes Jahr aufs Neue die akribische, harte Arbeit belohnt wird. Und für unsereiner, weil das Sortiment jedes Jahr aufs Neue begeistert. Mich zumindest.
Begonnen hat alles im Nebenerwerb, wenn auch schon damals mit enormer Fachkompetenz und echter Leidenschaft. Der konsequente Schritt zum Vollerwerb und die Spezialisierung auf das einzigartige Mikroklima der Illmitzer Lacken brachten dann den Aufstieg. Mit präziser Handarbeit in den Weingärten nutzte die Familie die perfekten Bedingungen für die Botrytis-Entwicklung am Neusiedlersee. Und es fällt schwer zu glauben, dass Titel Nummer 11 der letzte gewesen sein soll.
Die Auslese Muskat-Ottonel aus 2024 hat mich jüngst ziemlich umgehauen, ist das doch mal wieder so ein Wein, den man eigentlich nirgendwo vergleichbar getrunken hat. Völlig anders, was sicher mit der hierzulande weniger bekannten Rebsorte zu tun hat. Muskat-Ottonel ist eher selten, mit dem Gelben Muskateller verwandt, aber früher reif und für meinen Geschmack feiner. Außerhalb Österreichs findet man die Traube - wenn überhaupt - am ehesten im Elsass sowie in Ungarn und Rumänien. Die Sorte gilt im Anbau als echte „Diva“, da die Reben sehr empfindlich auf schlechtes Wetter bei der Blüte reagieren. Wenn sie aber gelingt – wie bei dieser Auslese –, bringt sie sensationelle Weine hervor.
Der Wein betört in der Nase mit zarten Blütenaromen, Lavendel, Zitrus, Muskatnuss, Litschi und Rosenwasser. Am Gaumen entfaltet sich eine intensive Frucht von Marille und Honigmelone. Trotz der üppigen Süße wirkt der Wein dank einer lebendigen Säurestruktur nicht schwer oder klebrig, sondern bleibt elegant, frisch und extrem lang im Abgang.
Während man beim 13 Minuten zu Fuß entfernten Weinlaubenhof Kracher, einem der renommiertesten und besten Süßweinproduzenten der Welt, für m. E. vergleichbare Qualität ein Vielfaches bezahlt, setzt man bei den Tschidas auf eine Preisgestaltung, die ich mir offen gesagt nicht wirklich erklären kann. Die hier beschriebene Auslese - übrigens mit einem sehr niedrigen Alkoholgehalt, was dem Geschmack besonders gut tut - kostet einen wahren Spottpreis.
Wer anspruchsvolle, tiefgründige Süßweine mag, sich gerne durch eine spannende, relativ große Kollektion probiert und bei der Rechnungsstellung Erleichterung und Ungläubigkeit erleben will, sollte hier andocken.
Check it out:
Hans Tschida in Illmitz