UUU: Tea-Break
| UUU, Berlin | |
|---|---|
| Ambiente | 6 |
| Service | 7,5 |
| Getränke | 6,5 |
| Essen | 6,7 |
| Gesamteindruck | 6,7 |
Meine Bewertung: Authentisches und kreatives chinesisches Essen im Wedding. Im familiären Rahmen bei Yuhang Wu und Jonas Borchers. Zu den spannenden Gerichten wird exzellenter Tee und Kombucha serviert. So kommt man runter; so tankt man Kraft.
Die Geschichte hinter dem Restaurant
Will man in Berlin gut chinesisch essen und sucht zudem ein etwas unorthodoxes, familiäres, herzliches Erlebnis, dann landet man heuer zwangsläufig beim UUU im Wedding.
Hier kocht Yuhang Wu, die das Lokal 2020 zusammen mit Jonas Borchers eröffnet hat. Die im Westen Chinas aufgewachsene Köchin hat bei Tim Raue, Sven Elverfeld und René Frank (Coda) gearbeitet. Sie ist in der chinesischen Tradition verankert, nutzt aber auch saisonale Zutaten aus Berlin und dem Umland.
Ihr Partner Borchers ist derweil für den Service und die Getränke zuständig. Auch er ist ein Kenner der chinesischen Kultur, lebte und studierte in Shanghai und spricht die Sprache fließend.
Das Restaurant bricht bewusst mit klassischen Erwartungen an "chinesisches Essen" und setzt auf Exklusivität durch Minimalismus - so heißt es. Auf der Homepage erteilt man dem Glauben an eine rigide "Authentizität der chinesischen Küche" eine Absage - dafür sei das Land zu groß, divers und kosmopolitisch. Warum sollte man Einflüsse von außen bekämpfen, statt sie zu integrieren, um das Optimum zu erreichen? Was augenscheinlich für die chinesische Politik (im Unterschied zur Wirtschaft) weniger gilt, ist hier im Restaurant allabendlich gelebte Realität.
Im Fokus stehe hier die Achtsamkeit, so die Beschreibung weiter – sowohl bei der Zubereitung als auch beim Genießen der komplexen Gerichte. Klingt, nach zwei Tagen relativ intensiver körperlicher Arbeit, durchaus reizvoll. Nichts wie hin.
Die Erfahrung
Unscheinbar - Unauffällig - Understatement
Ob das den beiden beim Betrachten der Location durch den Kopf ging, als sie auf der Suche nach einem Namen waren? Innen dann drei zusammenhängende (Haupt-)Räume: Ein Vorraum und zwei weitere mit je einem Gemeinschaftstisch - einer halbrund und einer rechteckig mit je acht Plätzen. Diese Anordnungen schaffen eine intime Gemeinschaftsatmosphäre, bei der man dem nebenan sitzenden Fremden nicht entkommen kann. Will ich auch gar nicht. Gleichwohl ist das mit solchen Konzepten in Deutschland immer so eine Sache. Funktioniert nicht immer. Hier durchaus, allerdings scheint es, als orientierten sich die Gäste hier an der Abendessenszeit von Schullandheimen oder Kasernen. Kurz nach sieben sitzen wir jedenfalls alleine am Tisch.
Bei Chillout-Musik wirkt das alles "slow" und entspannend, zumindest für eine Weile - dann nagt die niedrig eingestellte Temperatur ein wenig am leicht desorientierten Besucher. Wir bestellen zu zweit einmal alles. Die gesamte Karte, zumindest bei den Speisen.
Den Auftakt macht ein Frühlingssalat mit Radiccio in Chiliöl, den geröstete Cashews garnieren. Eine gute, originelle Mischung aus bitteren, frischen und aromatischen Blättern mit dem ungewohnten chinesischen Dressing. Macht etwas taub an der Zunge und liefert eine nachwirkende Schärfe (6,5). Es folgen Pidan-Eier mit Paprika und Fenchel. Das sind Eier, welche ähnlich zubereitet werden wie die berühmten "Hundertjährigen". Fenchel und Paprika sind auffallend ausdrucksschwach, die Eier geleeartig und würzig, aber auch nicht übermäßig spektakulär. Die übrig bleibende Soße ist das beste und lässt sich gut auslöffeln. Durch die Schärfe des Ganges davor leidet hier indes das Geschmackserlebnis (6). Der nächste Teller offenbart ein Sashimi-Tatar vom rohen Hamachi mit fein gehobelten Scheiben von Radieschen, Ingwer und Birne. Das ist zunächst etwas fad, wird mit dem mitgelieferten feinen Salz vor dem Hintergrund der zarten Süße der Birne und der guten Fischqualität dann aber doch recht gut. Dass man selbst salzen muss, ist aber suboptimal - normalerweise bestimmt die Küche den perfekten Würzgrad (6,5).
Die in Süßkartoffelmehl frittierten Austernpilze mit Sellerie, Sellerieöl und Sichuanpfeffer sind nicht nur originell, sondern vollmundig und überzeugen durch die perfekte, dünne Frittierung. Innen schön heiß, geschmacklich nicht gerade hochkomplex, aber ein rundum gelungener "Snack" (7,5). Es folgt eine gebratene Jakobsmuschel mit ihrem Rogen, Spargel und Litsea-Hollandaise (Litsea ist eine Art Lorbeerpflanze). Der Spargel mit dieser Sauce erinnert an die deutsche Variante mit viel plumper Cremigkeit bzw. Sahne; die Jakobsmuschel ist einwandfrei (6,5). Der Hongshao-Iberico-Schweinebauch mit Senfkräutern spielt - nebst dem Standardrepertoire entsprechender chinesischer Würzwelten - endlich wieder mit (ordentlicher) Schärfe, ist mir aber eine Spur zu fettig (6,5). Die Hauptspeise: Auf einem Spieß ist ein gegrillter Wachtelschenkel angebracht, darunter liegt eine Masse aus Kartoffeln und Minze, fermentiertem Knoblauch sowie (nicht wirklich schmeckbare) Mirabelle. Hier haben wir ein salziges, knuspriges, heißes und ziemlich perfektes Stück Wachtel auf einem Spieß wie vom Shaoyanger Nachtmarkt, wobei der Knoblauchgehalt der Kartoffelmasse eine ganze Zivilisation von Vampiren ausrotten könnte (7).
Eine Schokoladensorbet-Tarte mit Banane und gebackenem Mohn sowie kandierter Limette lebt von der ausgezeichneten, pur anmutenden Schokolade, dem fabelhaft stimmigen Mohn und einer zarten Rosennote (7,5). Den Abschluss macht eine Eiscreme von gerösteter Milch mit Rhabarber und gebackenem Filoteig. Das Eis schmeckt angesichts seiner Räuchernote wie Scamorza-Käse, der Filo-Teig ist hier unnötig und der Rhabarber schmeckt etwas muffig. Originell ist es dennoch (6).
Die getränketechnische Besonderheit des UUU ist der Fokus auf Tee und Kombucha, wobei letzterer selbstgemacht und ersterer sehr fachkundig zubereitet wird. Dazu gibt es vier alkoholische Cocktails, deren klassische Ingredienzien (im Fizz oder Manhattan) von Tee oder Pflaumenwein ergänzt werden. Das Highlight sind definitiv die erlesenen Teespezialitäten - und das passt auch zum hiesigen Menü.
Jonas Borchers ist stets präsent, berät, gibt Hinweise zu den Speisen und Tees und kommt sehr sympathisch rüber. Auch zeigt er sich flexibel und fungiert als rundum guter Gastgeber, der erkennbar für das Restaurant und die chinesische Küche bzw. Kultur brennt.
Das UUU ist durchweg sympathisch; die Betreibenden zeigen Mut und Selbstbewusstsein. Chinesische Gerichte werden in ihren Feinheiten elegant und klug zusammengestellt und präsentiert. Das dürfte zwar absehbar nicht für einen Stern reichen, aber das ist ja auch nicht das einzig entscheidende Kriterium.
Ambiente 6
Service 7,5
Getränke 6,5
Essen 6,7
Gesamteindruck 6,7
Was die anderen sagen
Der Weddingweiser erzählt die Geschichte zum Restaurant.
Auch der Tagesspiegel hat schon mal dazu berichtet.