Trattoria Enoteca: Im Schatten des Dinos
| Trattoria Enoteca, Bensberg | |
|---|---|
| Ambiente | 7 |
| Service | 7,5 |
| Getränke | 7 |
| Essen | 6,5 |
| Gesamteindruck | 6,9 |
Meine Bewertung: Im Schatten des großen Vendome und im Vorfeld des Lieblinge-Galadinner bietet sich die Trattoria Enoteca für einen gemütlichen Abend an. Ambiente und Service stimmen schon mal, das Essen kratzt allerdings noch nicht ganz am Sterneniveau.
Die Geschichte hinter dem Restaurant
Bergisch Gladbach liegt östlich von Köln. Bensberg ist ein Stadtteil von Bergisch Gladbach. Mitten in Bensberg liegt ein Schloss. Das Schloss beherbergt das Althoff Grandhotel. Und dieses sehr schöne, wenngleich von gelegentlichen Service-Aussetzern gefärbte Hotel ist seit einigen Jahren mein Refugium gegen Ende Januar.
Der periodisch wiederkehrende Anlass ist - abgesehen davon, dass man zu dieser Zeit jeden Strohhalm ergreift, um nicht in Berlin sein zu müssen - eine prachtvolle Galaveranstaltung: Die Frankfurter Allgemeine kürt jeden November ihre sogenannten "Lieblinge des Jahres". Jürgen Dollase und Stephan Reinhardt, ihres Zeichens u. a. Gastro- bzw. Weinkolumnisten der Zeitung, bestimmen die aus ihrer Sicht besten deutschen Restaurants bzw. KöchInnen sowie die besten Weine bzw. Weingüter in verschiedenen Kategorien. Die Prämierung erfolgt im Rahmen einer Gala mit Prominenz aus der Szene, Laudationen auf die PreisträgerInnen durch die o. g. Herren und nicht zuletzt einem Mehrgang-Menü, das von den Prämierten gekocht und flüssig begleitet wird. Dazu eine klasse Stimmung, interessante Gäste und eine After-Party, die es vermutlich mit denen von Mark Forster aufnehmen kann (wenngleich Ozzy Osbournes - leider - noch nicht erreicht werden). Die Veranstaltung ist allen kulinarisch interessierten Vinophilen uneingeschränkt zu empfehlen.
Von diesem Event berichte ich hier ... nicht. Weil ich an diesem Abend jeden Moment der Erzählungen und des Austausches mit den anderen genießen und ohne Nebengedanken erleben will, verbanne ich Handy bzw. Schreibblock ins Hotelzimmer.
Schloss Bensberg ist aber auch außerhalb des FAZ-Galadinner gastronomisch keine Unbekannte, beheimatet es doch Joachim Wisslers Spitzenrestaurant Vendome. Dieses war bis zur Herabstufung auf zwei Sterne im Jahr 2022 eine Konstante im deutschen Gourmet-Olymp. Erst vor wenigen Wochen legte Wissler die Küchenleitung in die Hände seines Sous Chefs Dennis Kuckuck; er möchte fortan beratend im Hintergrund agieren. Auch vom Vendome berichte ich hier ... nicht. Sondern von der ebenfalls im Schloss beheimateten Trattoria Enoteca, die bei den Auszeichnungen weit im Schatten des Gourmet-Dinos steht. Hier bietet Küchenchef Andreas Warkentin eine relativ unprätentiöse, aber durchaus ambitionierte italienische Küche an.
Ich habe beide Restaurants bereits besucht - und mir hat die Trattoria Enoteca mit Blick aufs Ambiente, den Service und auch das Essen zumindest in Relation zur jeweiligen Erwartungshaltung besser gefallen als das Vendome. Also will ich im Sinne eines in freudige Erwartung getauchten Vorabends zur Gala mal mein Rezensionsprogramm drüberlaufen lassen.
Die Erfahrung
Die Trattoria Enoteca ist über labyrinthartige Schlossgänge in einem hinteren Trakt zu erreichen. Bereits die Eingangssphäre mutet gemütlich an und im Inneren bestätigt sich der einladende Eindruck. Es ist laut - eben wie in einer Trattoria - und die Gäste versprühen gute Laune.
Das Menü startet mit Tomaten-Auberginen-Ricotta, wozu Focaccia sowie Pinsa gereicht wird. Was anfangs nach unspektakulärer Frischkäsecreme schmeckt, entfaltet durchaus eine subtile, feine Komplexität. Leider zu kalt - lauwarm wäre klasse gewesen. Die Pinsa ist sehr gut in ihrer Mischung aus Teigigkeit und Knusprigkeit, mit einem intensiven Weizenton (Reis und Soja müsste auch drin sein); die Focaccia ist solide. Durch die starke Pinsa ist das Gericht für mich ganz knapp auf Sterne-Niveau (7). Es folgt ein Zweierlei von Ringelbete mit Trüffel, Parmesan und Pistazien. Der Trüffel harmoniert gut mit der schmackhaften Bete (dass es zweierlei sind, schmeckt man nicht raus, aber sie schmeckt weniger erdig und etwas süßer als die klassische Rote Bete). Auch der Einsatz von Parmesan ist gut dosiert, zudem liefern die Pistazien eine ganz feine Nussigkeit. Im Endeffekt eine Art Salat, und durchaus ein delikater (7).
Der Secondo Piatto ist eine Minestrone mit Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Pesto und Parmesan. Die Suppe ist würzig und käsig; die Zutaten harmonieren, viel mehr dann aber auch nicht. Der Käse kommt in zähen Fäden in den Mund, was die Erfahrung negativ beeinträchtigt (6). Als Hauptspeise folgt Rinderschaufelbug, also ein zartes, perfekt zum Schmoren geeignetes Stück aus der Rinderschulter, mit Wirsing, Walnuss, Birne und Gnocchi. Das ist bodenständig und grundsolide, aber keine Zutat sticht besonders positiv heraus. Die Gnocchi sind nur durchschnittlich, das Gemüse ist eher uninteressant, das Fleisch zumindest schmackhaft (6).
Auf den Nachtisch verzichte ich, was nichts mit dem Menü zu tun hat, sondern damit, dass ich kurzfristig aufbrechen muss. Hierfür hat der Service Verständnis und zeigt sich flexibel.
Das Restaurant verzeichnet eine solide Wein- und Grappaauswahl mit dem klaren Schwerpunkt auf Italien. Hier sind ziemlich viele italienische Regionen berücksichtigt - bis hin zu Kampanien und Sardinien -, auch mit Raritäten. Auch Weine des Hausweinguts in Baden werden offeriert. Dazu ein interessanter winterlicher Aperitif mit Zimt und vielfältige offene Optionen.
Die KellnerInnen sind aufmerksam und präsent. Sie fragen freundlich, ob sie den nächsten Gang bereits servieren können, man merkt also, dass sie relativ schnell durchkommen wollen (was mir heute Abend sehr recht ist). Die Professionalität des Service ist über den Abend klar auf Sterne-Niveau und auch bei kurzfristigen Anpassungen zeigt man sich beweglich bzw. kulant.
Das signature dish des Restaurants ist "Kölsche Fagotelli", also handgemachte Ravioli mit Blutwurst, Kartoffeln, Äpfeln und Tropeazwiebeln, eine Art italienisiertes Himmel un Äd. Das hatte mich beim letzten Mal begeistert. Diesmal ist es nicht im Menü - man hätte es allerdings dazubestellen können. Dessen ungeachtet ist das Menü heute auf einem soliden, aber nicht hervorragenden Niveau. Besser als der durchschnittliche Kiez-Italiener, aber nicht mein erster Aspirant auf einen Michelin-Stern.
Ambiente 7
Service 7,5
Getränke 7
Essen 6,5
Gesamteindruck 6,9
Was die anderen sagen
Von den üblichen Bloggenden hat sich niemand zum Restaurant geäußert.