Mein Wein 2026: Kategorie Roter Burgunder
Hier ist Raum für Weine bzw. Weingüter, die ich - nach Kategorien geordnet - derzeit besonders bemerkenswert finde und die ein (sehr) gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen.
An dieser Stelle findet sich (fast) nur Deutschland – ein bisschen aus Verbundenheit zur Heimat, ein bisschen aus der tiefen Überzeugung, dass Deutschland inzwischen ein Champions-League-Weinland ist – nicht nur beim Riesling.
Außerdem vor allem „Einstiegsweine“. Nicht immer die billigsten des jeweiligen Gutes und außerdem keine Discount-Güter, aber mit Sicherheit Preis-Leistungs-Hammer im erschwinglichen Bereich.
Der besondere rote Burgunder
F. & F. Peters, Rheinhessen – Pinot Noir Roche Calcaire
Pinot Noir (oder auch Spätburgunder, Blauburgunder, Pinot Nero) ist für viele (Rot-)Weintrinker die Königsrebe schlechthin. So auch für mich. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht einen x-beliebigen der Hundertschaften großartiger Weine der Sorte nennen, die es verdient hätten, hier erwähnt zu werden. Sondern einen Wein bzw. ein Weingut, das mir ganz besonders am Herzen liegt.
Es gibt Weine, die man nicht unvoreingenommen trinken kann – und dieser gehört dazu. Das Weingut F. & F. Peters aus Rheinhessen war von Beginn an ein Herzensprojekt. Nach jahrelanger, wegweisender Arbeit beim renommierten Weingut St. Antony (das eigentlich einen eigenen Weintipp-Beitrag verdient) gründete der Ausnahme-Weinmacher Felix Peters 2018 seinen eigenen Kleinstbetrieb. Seine Philosophie: kompromisslose Terroir-Präzision auf nur wenigen Hektar, inspiriert von seinen prägenden Jahren im Burgund.
Im April 2024 ist Felix Peters nach schwerer Krankheit im Alter von 47 Jahren verstorben. Die deutsche Weinwelt hat einen ihrer feinsinnigsten, leidenschaftlichsten Denker und Handwerker verloren.
Peters hat Riesling, Chardonnay, Weißburgunder und Spätburgunder an- und ausgebaut. Seinen Einstiegs-Pinot-Noir – wenn man das überhaupt so nennen kann – nannte er einfach Roche Calcaire (Kalkstein) – nicht schwer zu erraten, auf welchen Böden die Reben angebaut wurden.
Der Wein (auf einen bestimmten Jahrgang verzichte ich hier mal bewusst) öffnet sich mit einer unverkennbaren, burgundisch anmutenden Kühle, anfangs etwas wild und ungestüm, dann fein und tiefgründig. Reife Herzkirschen und dunkle Waldbeeren treffen auf rauchige Nuancen und dezentes, edles Holz. Dazu eine kalkige, fast salzige Mineralität, die dem Bouquet eine noble Frische verleiht. Am Gaumen ist eine engmaschige, straffe Struktur zu erkennen, welche den lebendigen, charakterstarken Spätburgunder prägt. Die Säure ist perfekt gepuffert, das Tannin feinkörnig, griffig und präsent. Die kalksteinige Mineralität zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Schluck, der in einem langen, animierenden und tiefen Finale mündet.
Was für ein Pinot Noir für diesen Preis!
Was für ein genialer Winzer!
Wehmütig stellt sich jetzt auch die Frage, ob man künftig überhaupt noch an diese Charakterweine herankommt. Felix Peters hinterließ einen Keller voller Fässer, die zu den besten seiner gesamten Karriere gehören und teilweise von engen Freunden und Weggefährten auf die Flasche gezogen wurden. Doch diese Bestände sind streng limitiert und begehrt bei denen, die sich auskennen.
Und so stellt sich die schwierige Frage für diejenigen, die noch Flaschen dieses herausragenden kleinen Weinguts besitzen oder ergattern können: Wie bewahre ich das Andenken Peters' – als materiellen Schatz in Flaschenform im Keller oder nach dem Genuss für immer im Geiste?