Mein Wein 2026: Kategorie Rote Cuvée

Hier ist Raum für Weine bzw. Weingüter, die ich - nach Kategorien geordnet - derzeit besonders bemerkenswert finde und die ein (sehr) gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen.

An dieser Stelle findet sich (fast) nur Deutschland – ein bisschen aus Verbundenheit zur Heimat, ein bisschen aus der tiefen Überzeugung, dass Deutschland inzwischen ein Champions-League-Weinland ist – nicht nur beim Riesling.

Außerdem vor allem „Einstiegsweine“. Nicht immer die billigsten des jeweiligen Gutes und außerdem keine Discount-Güter, aber mit Sicherheit Preis-Leistungs-Hammer im erschwinglichen Bereich.

Mit dem heutigen Wein endet die Mein-Wein-Serie für 2026.

Die besondere Rote Cuvée

Albrecht Schwegler, Korb – Rot von den Parzellen 2021

Wer sich mit den besten Rotweinen Deutschlands befassen möchte, kommt an den Schweglers in Korb im Remstal nicht vorbei. Ihre Besonderheit: Die renommiertesten Weine sind Rotwein-Cuvées, von denen nur kleine Mengen produziert werden. Das Ergebnis lässt Fachpresse und Publikum verzückt zurück; seit Jahren hagelt es Preise und Höchstbewertungen.

Die Story des Hauses Schwegler reicht noch nicht so lange zurück: Im Jahr 1990 gründete Albrecht Schwegler gemeinsam mit seiner Frau das Gut in Korb – und zwar als reines Nebenerwerbsprojekt. Mit einer winzigen Rebfläche von gerade einmal 0,66 Hektar war es ein ambitioniertes Garagenweingut. Frei von Konventionen etablierte Schwegler einen tiefgründigen, langlebigen Cuvée-Stil, den man in Deutschland bis dato kaum kannte. Die Weine waren von Beginn an streng limitiert und mussten zugeteilt werden. Heute wird der Betrieb in zweiter Generation von Sohn Aaron und seiner Frau Julia geführt. Sie haben die Fläche behutsam vergrößert, sind aber dem Manufaktur-Gedanken des Vaters treu geblieben.

Wenn man die allgemeine Stilistik des Weinguts zusammenfassen will, dann mit dem Claim "Zeit, Holz und Charakter". Das Weingut bewirtschaftet heute rund 15 Hektar, die sich auf rund 80 extrem kleinteilige Parzellen verteilen. Diese Vielfalt an Böden und Kleinklimata wird im Keller meisterhaft komponiert. Bei Schweglers wird alles von Hand gelesen. Schönung und Filtration gibt es nicht. Die Top-Weine reifen traditionell im Holzfass und bekommen viel Zeit.

Während die großen Ikonen Granat und Saphir, beide für ihre Qualität auch noch Preis-Leistungs-Granaten, für die besonderen Momente im Keller reifen, definieren die Schweglers mit ihrem Einstiegswein Rot von den Parzellen den Begriff des Alltagsweins völlig neu. Die Cuvée besteht je nach Füllung anteilig aus Trollinger (der den saftigen Trinkfluss und die Frische bringt), Zweigelt und Lemberger (für die Struktur, Würze und Kraft), Regent, Dornfelder und Portugieser (die für die tiefdunkle Farbe und beerige Dichte sorgen). Also keine Bordeaux-Cuvée, von denen es in Deutschland inzwischen durchaus auch großartige Exemplare gibt (bspw. von Knipser, Rings, Zimmerle). Sondern eine Cuvée aus vermeintlichen deutschen Massenrohstoffen.

Gerade der kühlere Jahrgang 2021 zeigt eindrucksvoll, wie komplex ein Einstiegswein sein kann. In der Nase verströmt er einen klaren, vielschichtigen Duft. Dunkle Waldbeeren, saftige Brombeeren und reife Sauerkirschen treffen auf eine subtile, zart rauchige Tabak- und Nussnote. Unterlegt wird das Ganze von ätherischen Nuancen, die an Waldboden, Piment und frischen Pfeffer erinnern. Im Antrunk zeigt sich der 2021er herrlich animierend und frisch. Die kühle, klare Frucht verbindet sich perfekt mit einer lebendigen Säurestruktur und jugendlichen, aber bereits wunderbar mürben Gerbstoffen. Der Wein wirkt fleischig und kernig und bleibt dank seiner gradlinigen Struktur enorm trinkfreudig. Im Abgang zieht eine pfeffrig-würzige Holznote auf.

Wer Schwegler als großes deutsches Rotweingut kennenlernen will, muss nicht gleich den Geldbeutel zücken, um sich Granat und/oder Saphir zu holen (auch wenn das sicherlich, unabhängig von allem, eine grandiose Idee ist). Der Rot von den Parzellen liefert für diese Preisklasse in beeindruckender Weise ab - mit einer Rebsorten-Cuvée, deren Genialität man erst begreift, wenn man sie im Glas hat. Also dann - zom Wohlsei!

Check it out: 

Schwegler in Korb

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