Mein Wein 2026: Kategorie Riesling

Hier ist Raum für Weine bzw. Weingüter, die ich - nach Kategorien geordnet - derzeit besonders bemerkenswert finde und die ein (sehr) gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen.

An dieser Stelle findet sich (fast) nur Deutschland – ein bisschen aus Verbundenheit zur Heimat, ein bisschen aus der tiefen Überzeugung, dass Deutschland inzwischen ein Champions-League-Weinland ist – nicht nur beim Riesling.

Außerdem vor allem „Einstiegsweine“. Nicht immer die billigsten des jeweiligen Gutes und außerdem keine Discount-Güter, aber mit Sicherheit Preis-Leistungs-Hammer im erschwinglichen Bereich.

Der besondere Riesling

Lenhardt, Mehring – Mehringer Zellerberg Riesling trocken 2023

Es wirkt so, als wäre die Raketenzündung für Familie Lenhardt - Mutter Christa mit Tochter Eva und ihrem Bruder Christian - im Spätherbst 2024 erfolgt, als die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung das Weingut zum “Aufsteiger des Jahres” kürte und bei der Gelegenheit die herausragenden Parker-Bewertungen des vorangegangenen Jahres ins Sichtfeld vinophiler LeserInnen rückten (die 2023 Mehringer Zellerberg Riesling Trockenbeerenauslese erhielt gar 100 Punkte). Dabei könnte man fast übersehen, dass das Weingut bereits Jahre zuvor einen entsprechenden Weg eingeschlagen und sich an allen Fronten sukzessive optimiert hatte.

Bis 2016 produzierte Christa Fasswein bzw. lieferte Trauben an die Genossenschaft, allerdings auch schon mit großer Kompetenz und Leidenschaft. Eva und Christian studierten in Geisenheim und stiegen 2017 in den Betrieb ein. Ihre Mutter zeigte sich offen für neue Ideen und alle unternommenen Schritte liefen schnell auf ein ziemlich gutes (Zwischen-)Ergebnis hinaus. Sie fokussierten sich auf alte Reben in den Steillagen Mehringer Zellerberg und Blattenberg und mit zunehmender Erfahrung und sehr viel harter Arbeit wurde ihnen die verdiente Anerkennung der KritikerInnen zuteil. Trotzdem sind die Wine-Advocate-Auszeichnungen das i-Tüpfelchen einer Geschichte, die längst nicht zu Ende geschrieben ist.

Auch hier hebe ich stellvertretend einen Wein hervor, an dessen Stelle genausogut ein anderer Riesling - trocken oder restsüß - oder auch ein Rivaner bzw. Weißburgunder stehen könnte. Denn das, was das Weingut Lenhardt auszeichnet, findet Eingang in all ihre Weine: handwerkliche Präzision an allen Stellen bei gleichzeitigem Out-of-the-Box-Denken, schweißtreibende Weinbergsarbeit in der Steillage, ein naturnaher Ausbau und insgesamt ein gewisser Purismus, der gleichwohl in sehr tiefgründigen Weinen mündet.

Der Mehringer Zellerberg Riesling trocken 2023 (94 Parker-Punkte) hat eine Nase mit schönen Blüten und Zitrus. Im Mund zeigt er sich fruchtig und mineralisch und dabei immer ausgeprochen frisch und klar, mit optimal eingebundener Säure und beeindruckender Länge. Ein “Einstiegswein” gemäß o. a. Beschreibung ist er eigentlich nicht, aber sei’s drum; die Einstiegskategorie von Lenhardt ist auch schon toll.

Dass Lenhardt für mich zur absoluten Crème de la Crème der deutschen Weingüter gehört, hat auch mit den dreien selbst zu tun. Sie sind unglaublich sympathisch, voller Passion, intelligent, offenherzig und hilfsbereit. Eine von vielen spannenden Diskussionsthemen war die Frage, wie eine 100-Punkte-Auszeichnung im Spannungsfeld von Bodenständigkeit und Orientierung an der Kernkundschaft im Ort sowie internationaler Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung als komplexes Marketing- und Preisgestaltungsunterfangen wirkt. Keine Überraschung: Sie fühlen sich der Kernkundschaft mehr verbunden und geben ihre Bodenständigkeit nicht auf. Gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, dass neue (potentielle) GeschäftspartnerInnen nicht von der mondänen und über den Tellerrand hinausschauenden Art der Lenhardts bezaubert wären.

Hier haben wir also ein Weingut, das alles Positive vereint: Klasse ÜberzeugungstäterInnen, stringenter Ansatz und herausragend gute Weine zu wirklich fairen Preisen.

Mein absoluter Top-Tipp!

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Lenhardt in Mehring

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Mein Wein 2026: Kategorie Frucht/Besonderheit