Tschüss 2025, hey 2026!
Das zurückliegende Jahr bot mir eine Menge großartiger Genüsse und wundervoller Erfahrungen in besonderen Restaurants und mit besonderen Weinen - und, nicht zuletzt, den Startschuss für diesen Blog. Dafür bin ich sehr dankbar und nutze die Gelegenheit für ein kurzes Resümee bzw. einen kurzen Ausblick:
Mein Restaurant des Jahres - Kategorie Ambiente
Alchemist, Kopenhagen
Ein überwältigendes Kaleidoskop, das über Stunden in unterschiedlichen Räumen und im Rahmen irrer Performances alle Sinne anspricht - und eine professionell dargereichte Botschaft bereithält. Der Dome, in dem man die meisten Gänge einnimmt, berauscht mit Farben, Bildern, Sequenzen, Klängen, Dynamik. Doch auch die anderen Levels halten Ergreifendes bereit. Immer anregend, immer attraktiv, aber auch immer angenehm. Ein solches Ambiente gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.
Mein Restaurant des Jahres - Kategorie Service
Epicure, Paris
Zu den erwartbaren Features wie perfekter Kompetenz und individuell geschneiderter Zugewandtheit kommen echter Enthusiasmus, Humor und das gewisse Plus darüber hinaus. So erhält die begleitende Achtjährige nicht nur ein sensationelles "Kindermenü" (das sie gegen ihre - anfangs - hungrigen Eltern mit eisernem Willen und unter Androhung von roher Gewalt verteidigen muss). Sie soll auch die hochwertigsten Zutaten des Elternmenüs (vor-)kosten: edelsten Trüffel, Kaviar auf Perlmuttlöffel u. a. Die Servicekräfte behandeln sie, als sei sie die Königin, die über Leben und Tod der Untertanen urteilt. Mit echtem Interesse, ob diese Speisen gefallen und den jungen, McDonald's-gestählten Gaumen richtig kalibrieren mögen. Am Ende gibt es die ausgewählte pakistanische Mango für die frische Eiscreme nicht mehr, wofür sich die Servicekräfte bei ihr entschuldigen und ein frisch zubereitetes Eis von besonders exklusiven Waldbeeren als Alternative offerieren. "Wenn es nicht zur Zufriedenheit ist”, sagt der Kellner nur halb im Scherz, “gehen wir zum Chef in die Küche und Du sagst Herrn Faye, wie er die Eiscreme verbessern kann”. Die Eltern sind nur noch fassungslos.
Mein Restaurant des Jahres - Kategorie Getränkeangebot, -präsentation und -beratung
INDDEE, Bangkok
Diese Getränkekarte! Weist nicht nur tolle Positionen auf, sondern meistert den Spagat zwischen Information und Verständlich-/Greifbarkeit so gut, wie ich es noch nie erlebt habe (und wurde dafür asienweit auch schon ausgezeichnet). Darin zu stöbern würde vermutlich sogar Weinhassern Spaß machen, so eine mitreissende, fantasievolle, bildhafte Sprache ist das. Und die Sommelière ist eine Wucht! Wir sitzen bis tief in die Nacht und fachsimpeln über deutschen (!) Wein (natürlich auch hier exzellent aufgestellt) und das Leben.
Meine Restaurants des Jahres - Kategorie Essen
Meine Menüs des Jahres
1. Epicure, Paris *** (9,4)
2. Waldhotel Sonnora, Dreis *** (9,3)
3. Jordnaer, Kopenhagen *** (9,2)
4. Sühring, Bangkok *** (9,1)
5. 100/200 Kitchen, Hamburg ** (8,8)
6. schanz.restaurant, Piesport *** (8,6)
Komu, München ** (8,6)
Es:senz, Grassau *** (8,6)
9. Victor's Fine Dining, Perl *** (8,5)
10. Loumi, Berlin * (8,4)
Meine Gerichte des Jahres
August, Augsburg: Eine mit Tomaten skulptierte Zigarre, die außerdem mit Nuss, etwas, das wie Tahini schmeckt, und Tomatenwhisky angerichtet ist - extrem originell, knusprig und intensiv. Die Sämigkeit des Tahini (?), die Nussigkeit und v. a. die extrem aromatische Tomate laden die Geschmacksnerven auf, dann folgen Wärme und Rauchigkeit vom Whisky-Tomaten-Gebräu. Alles hallt lange nach und ist so eigen und genial, dass die Erinnerung bleibt.
schanz. restaurant, Piesport: Die Amuse-Bouches schmecken, in klarer Unterscheidbarkeit der Einzelingredienzen, so intensiv und bleiben so lange im Mund, wie ich das ganz selten erlebt habe: Wagyu-Crostini unter der Glashaube mit San-Marzano-Tomate und Jalapenos; Thunfischbauch-Cannelloni mit Blumenkohlcreme und “Kaviari Kristal Gold”-Kaviar; Tartelette mit geschmolzenem Wildschweinkopf, Erbsen, Holunderessigschaum und Saiblingskaviar.
Waldhotel Sonnora, Dreis: Ach, wie schön - es kommt ein Brotwagen angefahren. Mit einer Riesenauswahl aus unterschiedlichem Mehl, frisch abgeschnitten für den Gast und mit Charme und einem flotten Spruch dargereicht. Alles von erlesener Qualität. Besonders das Gewürzbrot und das Sylter Brot sind ganz ganz toll.
Waldhotel Sonnora, Dreis: Ein Taschenkrebs mit Buttermilch, Wasabi und Avocado, der Löffel passend zur Kühle des Gerichts auch gekühlt. Hierbei handelt es sich schlicht und ergreifend um eine Sensation. Eine Komposition aus Salzigkeit, Schärfe, Säure und etwas Süße, minutenlang am Gaumen - eines der besten Gerichte meines ganzen Lebens.
Sühring, Bangkok: Brathering…
… und Labskaus. Germany’s Best 8.600 Kilometer entfernt.
Jordnaer, Kopenhagen: Suppe vom Kaisergranat - die beste Suppe des Jahres.
Jordnaer, Kopenhagen: Gelbflossenthunfisch - relativ schlicht, absolut überragend.
Komu, München: Ein signature dish von Christoph Kunz, das er auch schon im Alois zubereitet hat: eine Popcorncreme mit brauner Butter, grünem Apfel und N25-Kaviar on top. Hieran scheiden sich bei den Food Bloggern die Geister: Während einige das Gericht für überbewertet, zu süß oder halbherzig halten, liebe ich die Textur und die Kombi aus (gar nicht so süßer) Kindheitserinnerung und der großartigen Salzigkeit des Kaviars.
Epicure, Paris: Krabbe aus der Bretagne, ein geschmackliches (und durchaus auch optisches) Kunstwerk mit zahlreichen Komponenten auf zwei Tellern. Diese Komplexität, der Geschmacksreichtum, die Hochwertigkeit, die Abgestimmtheit, die Länge am Gaumen, der Reichtum insgesamt - vermutlich steht hier das (bislang) beste Gericht meines Lebens vor mir, etwas Unvergessliches für die exklusive Hall-of-Superfame.
schanz. restaurant, Piesport: Die Wachtelbrust im Champignonmantel mit Gemüse und Pommes Frites stellt fast alles in den Schatten. Wie ein erfüllender, grandioser Spaziergang durch die Natur, den Wald und über die Felder kommt das daher. Eine Wucht.
100/200 Kitchen, Hamburg: Das “Wild Baden-Baden” beinhaltet Reh, Preiselbeere, Birne mit knackigem Rettich. Ich lege mich mal fest: Besser geht Reh nicht. Es ist optimal in Salz, Würze und Frische eingebunden. Kleiner Weintipp dazu (vgl. Pairing im Restaurant): Ein reifer, wertiger Spätburgunder von Ziereisen aus dem Markgräflerland passt optimal.
Epicure, Paris: Der Käsewagen beeindruckt erwartungsgemäß; ich lasse den Service die Auswahl treffen. Was dann dargereicht wird, ist optimal kuratiert, folgt gar einem Aufbau in den Olymp des Milchwarenhandwerks. Die dazu gereichte Olivencreme lässt mich Oliven (ohnehin eines meiner Lieblingsprodukte) noch mal in ganz anderem Licht sehen.
Fani, Roeser: Das Prédessert kommt: Kokosnuss und Zitrone! Mein lieber Himmel, warum kriegt man so etwas in seiner Schlichtheit Großartiges nicht anderswo? Karibik, Asien, Mittelmeer, whereever - und für Minuten im Mund.
Victor’s Fine Dining, Perl-Nennig: Der bau.stein - seit 2015 Baus signature dessert. Pandan, Kokos, Yuzu-Eis, exotische Früchte. Alles explodiert am Gaumen wie ein Feuerwerk in den Tropen.
Loumi, Berlin: Die Rhabarbercreme mit warmem Biskuit ist ein einziger Traum, der alle Sinne in Ekstase versetzt, indem er süßeste Kindheitserinnerungen weckt.
Haerlin, Hamburg: Zum Ende des Abends rollt ein Petit-Four-Wagen an. Für diejenigen mit noch nicht komplett gefülltem Magen zudem die Chance auf komplette Sättigung. In dieser Gruppe verorte ich mich definitiv nicht. Trotzdem lasse ich mir einen Macaron mit Tonka und Blaubeere geben, der dunkel, intensiv, würzig schmeckt. Dazu eine Praline mit Milchgarnache, Shortbread und Karamell - ein milchiger Traum - und eine Kiwitartelette mit Schokochip - frisch, fruchtig und überraschend leicht. Das ist nur eine von abertausend Kombinationen dieses großzügigen mobilen Kaufladens der süßen Versuchungen. Einer der besten Menüabschlüsse des Jahres.
Mein Restaurant des Jahres - Kategorie Gesamteindruck
Waldhotel Sonnora, Dreis
Jungen EinsteigerInnen würde ich von diesem Restaurant fast abraten - einzig aus dem Grund, dass danach das Bekannte nicht mehr dasselbe ist und der mühsam errichtete Referenzrahmen schlagartig in sich zusammenfällt. Zum Abschluss bzw. Höhepunkt der Reise - oder wenn man schlicht reich genug ist, um regelmäßig hier einzukehren - sieht das natürlich ganz anders aus. Das Waldhotel Sonnora spielt in Deutschland in einer eigenen Liga (und das, obwohl Deutschland inzwischen insgesamt in der Champions League angekommen ist). Wie der FC Bayern in manchen Jahren, nur mit zwei Unterschieden: Erstens räume ich dem Sonnora im internationalen Spitzenwettbewerbendenfeld deutlich bessere Chancen ein als den (derzeitigen) Bayern. Zweitens ist das Waldhotel in jeder Hinsicht auch noch sympathisch (wieder ein paar LeserInnen verloren). Ein Traum in Geschmacksexplosionen, überwältigender Herzlichkeit, vielfältigen neuen Inspirationen, unerreichten Genusswelten, ungeahntem Komfort.
Das irdische Paradies kann kaum irgendwo näher sein als in Dreis, Kreis Bernkastel-Wittlich, Rheinland-Pfalz, Bundesrepublik Deutschland.
Was mag 2026 bringen?
Auch 2026 verspricht kulinarische Höhenflüge: Im Januar steht eine Paris-Reise an - mit den Restaurants, die mich dort derzeit am meisten interessieren (außer dem Plénitude, wo ich keinen Tisch bekommen habe). Im Frühjahr dürfte ein Blockbuster in Spanien folgen. Später im Jahr dann vrsl. London - und dort eher “exotische Küchen”. Ggf. geht es später noch in die Alpen und/oder nach Frankreich.
In Deutschland fehlen mir indessen noch zwei der (aktuell) zwölf Dreisternerestaurants: die Schwarzwaldstube und das Bareiss in Baiersbronn. Beide hoffe ich 2026 besuchen zu können. Und in Berlin stehen einige hochinteressante Lokale auf dem Programm - erste Reservierung ist im Februar.
Dazu geht’s jetzt endlich los mit den Weintipps. Einige sehr spannende Weine und Weingüter dürfen meines Erachtens nicht unerwähnt bleiben.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein ganz fantastisches Jahr 2026 - it's gonna be AMAZING!